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Ohne Moos bald nix mehr los im Kino (Artikel in der Mainzer Rheinzeitung 28.11.2011)

Mainz – Das Land Rheinland-Pfalz bietet, bis auf einen kleinen Topf für studentische Projekte, keine Filmförderung. Dabei gibt es gerade in der Landeshauptstadt eine große Szene Filmschaffender. Der Nachwuchs, der hier auf hohem Niveau an den Hochschulen ausgebildet wird, sucht nach Beendigung des Studiums mangels finanzieller Unterstützung für seine Arbeit schnell das Weite und sein Glück (und die Fördergelder) lieber in anderen Bundesländern.

Im Gespräch mit der MRZ geben zwei etablierte Filmemacher Einblick hinter die Kulissen. Tidi von Tiedemann (rechts)  ist Chef der Produktionsfirma „Kontrastfilm“ und Film-Dozent an der Fachhochschule. Tassilo Sack (links), ehemals Gründer von „Peng!“, ist Creative Producer bei „Dropout Films“. Die beiden produzieren, man muss fast sagen „trotz alledem“, Filme in Mainz.

Die Palette Ihres filmischen Wirkens reicht vom Imagefilm über Kurzfilme bis hin zu langen Spielfilmen. Wie finanzieren Sie die Projekte?

von Tiedemann: Das ist sehr unterschiedlich. Im Spielfilmbereich brauchen wir Filmförderung, die Sender beteiligen sich an den Projekten direkt. Im Kurzfilmbereich arbeiten wir mehr oder weniger alle umsonst, für solche Projekte bekommt man so gut wie keine Förderung.

Sack: Bei uns ist das ähnlich. Mittlerweile probiert man, außerhalb von Rheinland-Pfalz Fördermittel aufzutun. Mit der „Nachwuchsmedienförderung“ hier erschöpft sich auch schon das Thema, und die ist beschränkt auf 3000 Euro pro Film.

von Tiedemann: Ich nenne das „Catering-Förderung“. Die Summe reicht einfach nicht aus, selbst bei studentischen Filmprojekten. Das Dramatische ist aber, dass das Land diese Mittel im Moment eingefroren hat, auf längere Sicht soll die Summe halbiert werden.

Sack: Das ist schon lächerlich. Inzwischen werden doppelt so viele Filme produziert wie noch vor ganz wenigen Jahren, und die Förderung wird halbiert.

Filmförderung ist in vielen Bundesländern eine Selbstverständlichkeit, die Töpfe sind ordentlich gefüllt. Selbst das Nachbarland Hessen, das eigentlich über keine große Filmemacher-Szene verfügt, hat einen solchen Fonds. Warum macht Rheinland-Pfalz nichts?

von Tiedemann: Gute Frage. Seit langem schon versuche ich, da was zu bewegen. Vor wenigen Jahren gab es mal den Versuch, einen Fördertopf einzurichten, dann änderten sich die politischen Verhältnisse, das Projekt wanderte vom Wirtschafts- ins Kulturministerium und war damit erledigt. Ich verstehe das nicht: Die Politik schmückt sich gerne mit Rheinland-Pfalz als „Medienstandort“, aber tut nichts dafür.

Sack: Wir müssten mit „Dropout Films“ nur ein paar Meter über den Rhein, und schon bekämen wir Fördermittel. Momentan denken wir ernsthaft darüber nach, Hessen hat bereits Projekte von uns gefördert. Aber eigentlich hänge ich an Mainz und will die Stadt mitgestalten und hier was bewegen.

Was muss sich tun? Hat Mainz, besser das Land überhaupt perspektivisch gesehen eine Chance, sich als Kreativstandort jungen Filmemachern anzudienen?

Sack: Filmförderung ist essenziell, die jungen Filmemacher gehen alle hier weg, da sie die Projekte anderswo besser finanzieren können.

von Tiedemann: Ich will, dass sich hier langfristig was tut!

Das Land sollte hier endlich mal vorangehen, einen runden Tisch einberufen, mit den Sendern, den Hochschulen, Sponsoren, Filmschaffenden und natürlich den zuständigen Politikern. Filmförderung ist ein wichtiger Standortfaktor und eine gute Investition in die Zukunft.

Sack: Von den Fördermitteln profitiert ja auch die Wirtschaft vor Ort ganz unmittelbar, die Gelder müssen schließlich im jeweiligen Bundesland ausgegeben werden. Vielleicht ist auch die Errichtung des neuen Medienhauses an der Hochschule symbolisch dafür geeignet, den Grundstein für eine eigene Filmförderung zu legen

von Tiedemann: Ich setze meine Hoffnung vor allem auf die neue Wirtschaftsministerin des Landes, Eveline Lemke. Wenigstens mal alle zum Gespräch einladen, das wäre doch ein erster Schritt.

Von MRZ Mitarbeiter Dominic Schreiner

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