Der Kurzfilm KOMM UND HOL MICH von Arne Ahrens gewinnt den lokalen Kurzfilmwettbewerb mit 250 Euro Preisgeld und einer Trophäe des Steinstudios Inge Griss. Der Film NORDCAP von Gesa Knolle und Erik Lange gewann den mit 125 Euro dotierten zweiten Platz. Die Kurzfilme wurden beide 2010 von Kontrastfilm mit Unterstützung der Hessischen Filmförderung (HR) bzw. der Mediengesellschaft und Filmförderung für Niedersachsen und Bremen produziert.
Archiv für Dezember 2011
Mainz – Das Land Rheinland-Pfalz bietet, bis auf einen kleinen Topf für studentische Projekte, keine Filmförderung. Dabei gibt es gerade in der Landeshauptstadt eine große Szene Filmschaffender. Der Nachwuchs, der hier auf hohem Niveau an den Hochschulen ausgebildet wird, sucht nach Beendigung des Studiums mangels finanzieller Unterstützung für seine Arbeit schnell das Weite und sein Glück (und die Fördergelder) lieber in anderen Bundesländern.
Im Gespräch mit der MRZ geben zwei etablierte Filmemacher Einblick hinter die Kulissen. Tidi von Tiedemann (rechts) ist Chef der Produktionsfirma “Kontrastfilm” und Film-Dozent an der Fachhochschule. Tassilo Sack (links), ehemals Gründer von “Peng!”, ist Creative Producer bei “Dropout Films”. Die beiden produzieren, man muss fast sagen “trotz alledem”, Filme in Mainz.
Die Palette Ihres filmischen Wirkens reicht vom Imagefilm über Kurzfilme bis hin zu langen Spielfilmen. Wie finanzieren Sie die Projekte?
von Tiedemann: Das ist sehr unterschiedlich. Im Spielfilmbereich brauchen wir Filmförderung, die Sender beteiligen sich an den Projekten direkt. Im Kurzfilmbereich arbeiten wir mehr oder weniger alle umsonst, für solche Projekte bekommt man so gut wie keine Förderung.
Sack: Bei uns ist das ähnlich. Mittlerweile probiert man, außerhalb von Rheinland-Pfalz Fördermittel aufzutun. Mit der “Nachwuchsmedienförderung” hier erschöpft sich auch schon das Thema, und die ist beschränkt auf 3000 Euro pro Film.
von Tiedemann: Ich nenne das “Catering-Förderung”. Die Summe reicht einfach nicht aus, selbst bei studentischen Filmprojekten. Das Dramatische ist aber, dass das Land diese Mittel im Moment eingefroren hat, auf längere Sicht soll die Summe halbiert werden.
Sack: Das ist schon lächerlich. Inzwischen werden doppelt so viele Filme produziert wie noch vor ganz wenigen Jahren, und die Förderung wird halbiert.
Filmförderung ist in vielen Bundesländern eine Selbstverständlichkeit, die Töpfe sind ordentlich gefüllt. Selbst das Nachbarland Hessen, das eigentlich über keine große Filmemacher-Szene verfügt, hat einen solchen Fonds. Warum macht Rheinland-Pfalz nichts?
von Tiedemann: Gute Frage. Seit langem schon versuche ich, da was zu bewegen. Vor wenigen Jahren gab es mal den Versuch, einen Fördertopf einzurichten, dann änderten sich die politischen Verhältnisse, das Projekt wanderte vom Wirtschafts- ins Kulturministerium und war damit erledigt. Ich verstehe das nicht: Die Politik schmückt sich gerne mit Rheinland-Pfalz als “Medienstandort”, aber tut nichts dafür.
Sack: Wir müssten mit “Dropout Films” nur ein paar Meter über den Rhein, und schon bekämen wir Fördermittel. Momentan denken wir ernsthaft darüber nach, Hessen hat bereits Projekte von uns gefördert. Aber eigentlich hänge ich an Mainz und will die Stadt mitgestalten und hier was bewegen.
Was muss sich tun? Hat Mainz, besser das Land überhaupt perspektivisch gesehen eine Chance, sich als Kreativstandort jungen Filmemachern anzudienen?
Sack: Filmförderung ist essenziell, die jungen Filmemacher gehen alle hier weg, da sie die Projekte anderswo besser finanzieren können.
von Tiedemann: Ich will, dass sich hier langfristig was tut!
Das Land sollte hier endlich mal vorangehen, einen runden Tisch einberufen, mit den Sendern, den Hochschulen, Sponsoren, Filmschaffenden und natürlich den zuständigen Politikern. Filmförderung ist ein wichtiger Standortfaktor und eine gute Investition in die Zukunft.
Sack: Von den Fördermitteln profitiert ja auch die Wirtschaft vor Ort ganz unmittelbar, die Gelder müssen schließlich im jeweiligen Bundesland ausgegeben werden. Vielleicht ist auch die Errichtung des neuen Medienhauses an der Hochschule symbolisch dafür geeignet, den Grundstein für eine eigene Filmförderung zu legen
von Tiedemann: Ich setze meine Hoffnung vor allem auf die neue Wirtschaftsministerin des Landes, Eveline Lemke. Wenigstens mal alle zum Gespräch einladen, das wäre doch ein erster Schritt.
Von MRZ Mitarbeiter Dominic Schreiner
Der Film „Wärst du lieber tot?“ (ZDF Kleines Fernsehspiel/Fortune Cookie GbR Hamburg), bei dem Thomas Vollmar, Absolvent des Studiengangs Mediendesign an der FH Mainz, als hauptverantwortlicher Kameramann mitgewirkt hat, ist mit dem Deutschen Fernsehpreis 2011 „Beste Dokumentation“ ausgezeichnet worden. Drehbuch und Regie lagen in den Händen von Christina Seeland. In ihrem Debütfilm hat sie sechs schwerstkranke Menschen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren begleitet, die sich berührend ehrlich der Titelfrage stellen und in überraschenden Antworten erzählen, warum das Leben für sie lebenswert ist. Neben den sechs Hauptfiguren werden auch ihre Familienangehörigen, Freunde und das Pflegepersonal vorgestellt. Es ist ein besonderer Film über Begegnungen mit Menschen, denen man normalerweise nicht so nahe kommt, ein Film, der sich liebevoll und mutig mit den heiklen Themen Behinderung und Tod auseinandersetzt und ein Plädoyer für das Leben ist.
Christina Seeland, Jahrgang 1973, ist Theaterregisseurin und arbeitet seit 15 Jahren in der Behindertenpflege. Sie hat bei Jürgen Flimm, Johann Kresnik und Pina Bausch studiert und assistiert und u.a. am Thalia Theater Hamburg, an der Volksbühne Berlin und am Theater an der Sihl in Zürich inszeniert.
Thomas Vollmar, geb. 1971, hat nach seinem Studium des Mediendesigns an der FH Mainz Film/Kamera bei Hark Bohm, Karl Walter Lindenlaub und Wedigo von Schulzendorf an der Hamburg Media School studiert. 2003 gründete er zusammen mit Tidi von Tiedemann die Firma KONTRASTFILM auf dem Gelände des Medienhauses Mainz. Zu dem Projekt kam er als fünfter Kameramann. Der Film wurde an 20 Drehtagen in Etappen von jeweils zwei Tagen gedreht. Thomas Vollmar absolvierte 12 Drehtage und wurde nachträglich als hauptverantwortlicher Kameramann im Abspann aufgeführt.
Der Deutsche Fernsehpreis ist ein Preis der im Oktober 1998 von den Fernsehsendern ARD, ZDF, RTL und Sat.1 gegründet wurde. Als Vorbild diente der US-amerikanische Fernsehpreis Emmy, wenngleich der Deutsche Fernsehpreis nicht von einer Fernsehakademie vergeben wird. Die beiden ehemaligen Fernsehpreise Telestar (Das Erste und ZDF) und Goldener Löwe (RTL) gingen im Deutschen Fernsehpreis auf. Die Preisverleihung findet seit 1999 jedes Jahr Ende September bzw. Anfang Oktober in Köln statt.
Fortune Cookie Filmproduction & Christina Seeland in Koproduktion mit dem ZDF / Das Kleine Fernsehspiel.
Drehort: Hamburg und Umgebung 2010
Buch und Regie: Tina Seeland
Produzent: Ilona Schultz, Björn Eggert/Fortune Cookie Filmproduction mit Unterstützung durch die Hamburgische Kulturstiftung
Redaktion: Katharina Dufner, ZDF/Das kleine Fernsehspiel
Länge: ca. 69 Min.
Sendetermin: ZDF Mo 15.11.10 (00:15 Uhr) Quote: 6,6%
Kamera: Thomas Vollmar, Bettina Herzner
Tidi von Tiedemann verleiht im Namen von Kontrastfilm zwei Preise bei dem FILMZ Festival in Mainz
Am Sonntag gingen mit dem Kurzfilmwettbewerb und der anschließenden Preisverleihung im Residenz & Prinzess Filmtheater fünf erfolgreiche Festivaltage zu Ende.
Im Kurzfilmwettbewerb gewann „Pärchenabend” von Hardi Sturm den mit 500 Euro dotierten Preis für den besten Kurzfilm, gestiftet von der Mainzer Produktionsfirma Kontrastfilm, die FILMZ seit vielen Jahren unterstützt. Auch in diesem Jahr wurden die Siegerfilme wieder vom Publikum per Stimmzettel gewählt. Mit den Preisträgern verkündeten die Moderatoren des Abends auch die Besucherzahlen: Auch in diesem Jahr knackte das Festival trotz des verschlankten Festivalprogramms die Fünftausender-Marke – insgesamt 5.170 FILMZ-Fans genossen 2011 das Filmfest.
Der einzige Jurypreis des Festivals für den besten Drehbuchpitch ging mit 300 Euro Preisgeld und der “Gläsernen FILMZ-Flamme”, gesponsert von Kontrastfilm, sowie einem professionalen Lekorat durch einen ZDF-Fernsehredakteur an Lissa Lehmenkühler für die bestechende Vorstellung ihres Treatments für „Amokkoma.”
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